Mediation – oder wie das FmilienUNrecht eine gute Idee assimiliert

Bald jährt es sich zum 3. Male als ich mir in den Kopf setzte, selbst den „Lehrgang“ zum Mediator zu absolvieren.

Und wie erwartet, war auch hier wieder festzustellen, wie sich geballte Inkompetenz mit Standesdünkel die Hand reichen, um sich lediglich ein neues Feld zu erschließen, das geeignet zu sein scheint, das Säckel weiterhin einträglich füllen zu können.

Noch, ist diese „Berufsbezeichnung“ ungeschützt. Das birgt natürlich Risiken. Aber diese finden sich auch in den Berufsbildern wieder, die sich aufgrund ihrer hoch gesteckten Zugangsvoraussetzungen, zwar beim normalen Bürger einen guten Ruf und vor allen Dingen auch, eines in Deutschland allgegenwärtigen „Oooh! Der ist ja Rechtsanwalt!“ Image erfreuen.  Zumindest so lange, bis man sie glaubt zu brauchen…. Vor Allem auch im Familienrecht.

Denn nicht nur Rechtsanwälte haben das neue Feld der Tätigkeit als Mediator für sich entdeckt, sondern auch diejenigen, die sich vorher schon der sogenannten Helferindustrie, rund um das Familienrecht  herum segelnd, angehörig sahen..

Eiligst wurde nun das neue Mediationsgesetz formuliert – und dabei wird es mit Sicherheit nicht bleiben – in dem die Voraussetzungen zur Ausübung dieses Berufes in Zusammenarbeit mit den Verbänden, neu definiert wurden. Interessant ist es mal wieder zu beobachten, dass man der Meinung zu sein scheint, nur Personen mit Hochschulabschluß könnten Hilfe beim Streit zwischen zwei Konfliktparteien leisten 😉

Um sich sofort wieder unterscheiden zu können, zwischen den Ungebetenen in dieser Branche und denen, die ohnehin schon etabliert sind, hat man sich im Rahmen der Möglichkeiten ausgedacht, recht hohe Voraussetzungen zu schaffen, um den Zugang zum „Zertifizierten“ überhaupt möglich zu machen, welcher dann in der Bezeichnung „zertifizierter Mediator“ wieder auftaucht.

Aber was steckt wirklich dahinter? Die angebliche Sorge, es könnten die zahlreich auftretenden Mediatoren sonst Schaden anrichten? Wohl nur vordergründig….

Denn tatsächlich geht es darum, dieses Gebiet den ohnehin Tätigen in den Rechtswissenschaften zu sichern. Und vor Allem bemerkt man noch Eines: Alles kostet Geld. Viel Geld.

Für die Ausbildungen werden teilweise fünfstellige Summen verlangt, obwohl eine solche Ausbildung dies eigentlich nicht rechtfertigt. Wichtige Aspekte und Grundvoraussetzungen sind vor Allem auch Talent und die Disziplin, sich Grundwissen anzuschaffen, das tatsächlich hier nicht vermittelt wird und alleine erarbeitet werden muss.

Die Verbände kosten Geld. Die Voraussetzungen und ständigen Überprüfungen kosten Geld. Die Zertifizierung kostet sowieso Geld. Die Fortbildungen kosten richtig Geld.

Wohlwissend, dass sich mit der Mediation in Deutschland bislang und in der Fläche eigentlich nicht wirklich Geld verdienen lässt. Noch nicht.

Und damit auch dann im Rahmen einer Mediation tatsächlich niemand stört, in der idelogisch immernoch vorgeprägten Vorstellungswelt der „helfenden Industrie“, geht es erst einmal darum, den Mediatoren einzuimpfen, was sie alles nicht dürfen.

Nachdem ich selbst als Mediator nun Scheidungsfolgenvereinbarungen tätigte, waren die Auswirkungen schnell erkennbar.

So ergab es sich im Rahmen einer Diskussion in einer fb-Gruppe, dass mir eine sogenannte Mediatorin versuchte mitzuteilen, dass man im Rahmen einer Mediation, die Themen „Unterhalt“ und „Versorgungsausgleich“ nicht behandeln dürfe.

Man muss sich Solches einmal vorstellen: „Liebe Medianten. Wir setzen uns jetzt hier mal zusammen und ich helfe Euch dabei, eine Lösung zu finden, so dass Ihr zumindest wieder miteinander sprechen könnt, aber bei den relevanten Themen, müsst Ihr weiterhin zum Anwalt gehen und Euch darüber zwangsläufig streiten. Ihr Wollt Euch nicht darüber streiten? Keine Angst! Das übernehmen die Anwälte für Euch! Ihr braucht nur zahlen!“

Natürlich war dieser Auswurf dieser Dame ausgemachter Blödsinn und natürlich kann man, gewisse Voraussetzungen beachtend, alle (!) diese Punkte nicht nur behandeln, sondern auch abschließend lösen und in der Mediationsvereinbarung festhalten.

Das erfordert aber nicht nur etwas Wissen, sondern auch Mut! Die Dame, die behauptete, man dürfe solche Themen nicht behandeln, hatte natürlich auch eine große Web-Site, die sehr plakativ Werbung machte mit professionellem Familiencoaching etc. bla bla….

Schade, dass die Unbedarften und auf eine Lösung hoffenden Betroffenen auf so etwas reinfallen müssen und wohl auch sollen…

Meine Medianten schickte ich sodann also freudig und mit einer Abschlußvereinbarung ausgestattet, welche ja auch geeignet sein soll, ein Scheidungsverfahren zu verkürzen und Kosten gespart zu haben, zur notariellen Beurkundung.

Und nun kommt die Sache mit dem Mut wieder auf: So wurden die Medianten von mir deutlich darauf hingewiesen, dass sie bei ihrer Vereinbarung bleiben sollen, auch wenn jemand ihnen versucht einzureden, dass dies und das so nicht ginge….

Hier haben wir einen weiteren Beweis dafür, dass der Staat und seine Anhängsel in Wirklichkeit keinerlei Skrupel und Scham besitzt, seine Finger bis hinein in die Schlafzimmerbetten zu stecken, wenn es nur darum geht, Einfluss nehmen zu können. Von wegen „Elternautonomie“ oder so etwas….

Im Rahmen der Elternautonomie können Trennungs- und Scheidungspaare alles (!) regeln was ihnen beliebt und es keine Übervorteilung einer Partei gibt. (Eine der Grundvoraussetzungen für eine wirksame Mediationsvereinbarung).  Nur leider wurde das erfolgreich so lange ausgeredet, bis es niemand mehr glaubte. Nur dann, wenn ein Sozialhilfeträger mit finanzieller Unterstützung einschreiten muss, sind diese Regeln in  unterhaltsrechtlicher Hinsicht eingeschränkt.

Der Erste der mit den Worten, „Das geht aber so nicht!“ versuchte, die friedliche Einigung, der bei mir vorstellig gewordenen Eltern zu konterminieren war: Der Notar!

Und erst, als meine Medianten ihm sagten: „Wir haben das so vereinbart und so wird es auch dokumentiert!“, musste sich der Notar bemüßigt sehen, dies auch zu akzeptieren.

Dazu braucht es nicht nur mutige Medianten, die zu ihrer Vereinbarung stehen und nicht vor der Obrigkeit einknicken, sondern auch eines mutigen Mediators, der den Mut besitzt, sich nicht einschüchtern zu lassen.

Ein Armutszeugnis für gerade diejenigen Berufsbilder, wie z.B. dasjenige der Rechtsanwälte,  ist oftmals eine Aussage, wie: „Oh je. Das wird aber kompliziert!“ oder, „Das bekommen wir aber so nur schwer hin. Eigentlich geht das nicht!“

Doch. Geht! In einem anderen Fall, mich einmal ein wenig selbst beweihräuchernd, fragte eine Frau bei mir an, ob ich im Rahmen einer Scheidung als Mediator Hilfe leisten könne. Man habe ihr beim Rechtsanwalt gesagt, dass man „das so nie und nimmer einfach auseinander dröseln könne.“ Nun sei sie und ihr Ex-Mann völlig ratlos. (Kinder hatten sie nicht) und sie wüsste nicht, wie man diese Vermögensauseinandersetzung denn nun hinbekommen solle.

Und auch hier wieder direkt der Hinweis: Gerätst Du im Rahmen des Einigungsversuches und im Rahmen der Beratung auf Gebiete des „Steuerrechtes“ oder der „Rechtsberatung“. ist allerhöchste Vorsicht geboten. Denn es ist nicht nur verboten, sondern wird auch tatsächlich vehement verfolgt.

Glücklicherweise gibt es aber noch abgeschlossene Zimmer und diskrete Menschen, denn anders würde es überhaupt ncht gehen. Natürlich ist darauf zu achten, dass man den zu Beratenden immer verdeutlicht, dass sie sich im Zweifel an einen Rechtsbeistand wenden sollten (!), aber sich über ein Thema zu unterhalten und Wissen auszutauschen, ist ja nicht verboten, oder? 😉

Komischerweise schafften wir es, hier innerhalb von 4 Terminen (kostengünstig) alles zu klären. Oh ja! Es war ja soooo hoch kompliziert! Quatsch! Diese Sätze gilt es zu übersetzen!

Sagt der Jurist: „Es sei kompliziert!“, heißt es auf Deutsch: „Ich bekomme das schon hin, aber es kostet einen haufen Geld!“. Gerade Vermögensauseinandersetzungen sind ein einträgliches Feld. Meistens mit dem Ergebnis, der Verteilung des Vermögens hin in Richtung Anwälte und Co und der Verteilung des Restes und des Mangels hin zu dem ehemals einigermaßen vermögendem Ehepaar. Eigentlich ein ganz einfaches Spiel.

Und siehe da! Auch hier musste der Notar beurkunden. Obwohl er anfangs auch zuckte…

Was die Zukunft in der Mediation bringt erscheint mir klar, im Blick darauf, was jetzt schon zu beobachten ist. Wenn ich Berichte höre, wo Trennungseltern beim Jugendamt vorstellig wurden und plötzlich die 22-jährige Sozialpädagogin die Tür abschließt und sagt: „So! Wir machen jetzt eine Mediation!“, wird mir regelmäßig schlecht.

Überhaupt, scheinen Sozialpädagoginnen (in der Mehrzahl sind es ja Frauen) sich bemächtigt dazu zu fühlen, grundsätzlich Alles zu können! Im Anschluß daran muss ich dann hören, man habe eine „richtige“ Lösung gefunden, wo es doch gar keine „richtige“ Lösung in der Mediation gibt, sondern nur Lösungen, die individuell für beide tragbar sind. Hier offenbart sich der Geist dieser Figuren: Richtig ist es dann, wenn es dem Jugendamt und den Familienhelfern passt!

Die ursprünglich tolle Idee der Mediation wird in Deutschland gnadenlos verstaatlicht werden. Sie wird denen zugeschanzt – und nur diese bekommen auch vom Gericht Medianten zugewiesen – die vorher schon als Familienrechtsanwälte tätig waren und noch vor fünf Minuten zündelten was das Zeug hielt. Solche „Friedensengel“ im Gewand des Brandstifters braucht kein Mensch.

Die „freien Mediatoren“ werden durch hohe Anfangskosten abgeschreckt oder bald vom Markt gefegt. es sei denn, es finden sich welche, die im angedachten System funktionieren. Und es werden sich welche finden!

Eine weitere Chance, zeitnah und die Gerichte entlastend, die Mediation wirksam einzuführen, wird zielgerichtet vertan. Ein Zeichen für ein krankes System und den unbedingten Willen, ein ideologisch vorgeprägtes FamilienUNrecht, in dem mindestens Einer der Verlierer ist, aufrecht zu erhalten. Die Kinder sind es immer. Die Väter, die immer noch zu 93% zu den „Ausziehenden“ gehören, sind es Meistens.

Der Grund? Es muss ein Zahlesel her! Koste es was es wolle. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht nicht um Einigung! Es geht auch nicht um die Kinder! Sie sind in Deutschland ohnehin -. man verzeihe mir das Wort – Scheißegal! Es geht um den schnöden Mammon. Um die sprichwörtliche Kohle!

Da hilft auch kein Familienministerium (bmfsfj.de) – oder auch manchmal genannt: Bundesministerium für Alles außer Männer – und keine noch so tolle Absichtserklärung.

Der Mensch steht in Deutschland nicht mehr im Mittelpunkt. Der Versuch des Aufrechterhaltens dieses Märchens, scheitert gerade.

Fragen Sie sich mal, warum Plastikmüllsäcke in beliebigem Umfang von der Müllabfuhr „umsonst“, also im Rahmen der üblichen Gebühren abgeholt werden, während Windelsäcke teuer zusätzlich eingekauft werden müssen…

 

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