Von Rechtsanwälten und Leuten, die uns die Welt erklären…

Gehen wir davon aus, dass der geneigte Leser schon einmal Kontakt mit Rechtsanwälten hatte, und gehen wir davon aus, dass dies sich im Bereich des Familienrechts abspielte, dann gäbe dies hier nur einen weiteren (berechtigten) Artikel darüber, wie sich Anwälte als Brandstifter verdingen können um sich dann gleichzeitig das Schild des Mediators an die Hauswand zu zimmern.

Heute gehen wir also dieses Thema einmal anders an. Das uns Juristen gerne die Welt erklären, liegt u.a. daran, dass sie überproportional in der Politik vertreten sind. Das mag manchmal Sinn machen, da dies dazu verhilft, dass der entsprechende Politiker von Anfang an einzuschätzen weiß, welche gerne getroffene Entscheidung er dann doch lieber in der Schublade belässt, aber trotzdem wäre der Ein oder Andere Kaufmann in der Politik manchmal sicher notwendiger gewesen. Sei’s drum…

Hat also ein politisch Tätiger was gelernt – wenn er/sie überhaupt etwas gelernt hat – ist es meist ein Jurist. Wenn nicht, dann ist er/sie Lehrer… Sich zwischen Pest und Cholera beim Wählen entscheiden zu müssen kennen wir ja…

Aber wie sieht das Thema eigentlich in der Praxis aus? Nun, erst einmal geht das so:

Anwälte (und auch Steuerberater) sind ja eigentlich das angestammte Klientel der Liberalen (FDP). Zahnärzte und Apotheker auch, aber die spielen jetzt mal keine so große Rolle. Diese vertreten Allesamt gemeinhin, der Wirtschaft entsprechenden Freiraum lassen zu wollen und meiden alles Linke wie der Teufel das Weihwasser, was in Teilbereichen auch besser ist.

Die Doppelmoral dieser Berufsbilder ist aber, dass sie zwar von „freier Wirtschaft“ faseln, sich selbst aber in ganz sozialistischer Manier mit „Gebührenordnungen“ versehen haben, die nicht viel mit dem Verhältnis Leistung = entsprechendes Honorar zu tun haben.

Und um sich dieses abzusichern, haben diese Berufsbilder für eine einmalige Abschottung gesorgt und kümmern sich fleißig darum, dass ja keiner in ihrem angestammten Berufsbild wildert.

Danach baute man sich einen Mythos des Allwissenden und „etwas Besseren“ zusammen. Der Michel sollte glauben, hier bei den Überlegenen zu Gast zu sein, die nicht alles wissen und können, aber mit Sicherheit mehr, als der übrige Pöbel.

Die meisten Rechtsanwälte die ich kenne, wirken von der Persönlichkeit her auf mich eher wie erwachsen gewordene Exoten, die sich ihren Seitenscheitel schon vom 6. Lebenjahr an kämmten und fortan auf dem Schulhof gehänselt wurden. Eine Freundin gab’s auch nicht. Nun gilt es, nach Vollendung des recht langweiligen Studiums, späte Rache zu nehmen…. Oft schafft man das.

In manchen Fällen neigte ich dazu, meinen Klienten zu sagen, sie sollten sich in dem Ein oder Anderen Fall einen Anwalt nehmen. Das habe ich seit Längerem revidiert.

Die meisten Probleme lassen sich tatsächlich so lösen. Scheint es, als ginge es nicht, fertigen wir den Schriftverkehr selbst an, und siehe da: Mit viel Erfolg!

Geht auch das scheinbar nicht, rate ich meistens: Laß die Gegenseite doch machen. Halt die Füße still! Klappt übrigens fast immer. Die Gegenseiten wissen scheinbar mittlerweile auch, dass das Einschalten des Rechtsstaates meistens gleichbedeutend damit ist, vielleicht tatsächlich Recht zu bekommen, dieses aber bezahlen zu müssen. Irgendwie vor diesem Hintergrund komisch, aber ist so…

Ein sich bei mir in der Schuldnerberatung befindlicher Klient war unlängst noch selbständig, als er es mit zwei Arbeitnehmern zu tun bekam, die der Meinung waren, Stundenzettel seien so eine Art Wunschzettel vom Weihnachtsmann. Mein Klient verpasste es, diese schleunigst zu kontrollieren, bevor sie beim Steuerberater landeten, der sie entsprechend abrechnete.

Lange Rede, kurzer Sinn: Diese beiden Leute wurden zum teuren Vergnügen in einer defizitären Kleinfirma. Die Sache landete beim Arbeitsgericht in der Güteverhandlung.

Die eigentliche Dauer des Arbeitsverhältnisses betrug satte 8 Wochen. Die beiden Arbeitnehmer „verloren“ und die Arbeitsverhältnisse wurden per Vergleich auf Mini-Job Verhältnisse herab gesetzt.

Der Unternehmer hatte also Recht bekommen und durfte den angeblichen Vollzeitjob (lt. gefälschter Stundenzettel), abändern und die Differenz zum Mini-Job entsprechend berücksichtigen.

Dasjenige Geld, dass er „sparte“ wurde dann wie folgt anderweitig fällig:

Streitwert: 8.291,75 € für den einen Arbeitnehmer und für den Zweiten: 3.776,70 € rechnen Anwälte so ab:

Streitwert: 8.291,75 €: Verfahrensgebühr 1,3 fach:  659,10 €

Terminsgebühr:                      608,40 €

Abwesenheitsgeld:                  25,00 €

Fahrtkosten:                              33,36 €

Einigungsgebühr                    507,00 €

Postentgeltpauschale               20,00 €

Zwischensumme:                   1.852,86 €

+ Umsatzsteuer:                         352,04 €

Die zweite Honorarrechnung spare ich mir ….

Man stelle sich vor: Herr Anwalt fährt zu einem Termin. Das ist nicht sonderlich weit und dauert nur ein Stündchen, aber der Herr lässt sich bißchen feiern und zwar für 608 Euronen.

Und dann einigt man sich, weil das sowieso im Rahmen eines solchen Verfahrens meist passiert und das kostet einfach mal 507 Euronen zusätzlich. Einigung kostet also Geld! Allgemeinhin bekannt, aber man sollte es mal verdeutlichen. Streit ist billiger…

Da sollte man mal den Sinn hinterfragen.

Das Ganze passiert völlig schamlos. Keiner regt sich mehr über so etwas auf. Von der Verhältnismäßigkeit der Dinge zu sprechen, ist in diesem Land sowieso Out, nachdem wir wissen, dass Manager selbst dann Boni bekommen, wenn sie ganze Volkswirtschaften hinrichten. Also was soll jetzt hier diese Krümmelpisserei….

Was ist also im Grunde anzuraten?

Wenn Sie zu denen zählen, die einigermaßen der deutschen Sprache mächtig sind und sich etwas Masse zwischen den beiden Ohren befinden sollte, gehen Sie zu denjenigen Verfahren, die keine Anwaltspflicht haben, alleine hin.

Es beißt Sie keiner! Sagen Sie, was zu sagen ist. Bleiben sie ruhig und sachlich, wie es sich gehört. Lassen Sie den Rest über sich ergehen und fertig… Alles von Belang erklärt Ihnen der Richter. Muss er auch. Ist ja kein Anwalt da, der dies sonst übernehmen muss 😉

In 90% aller Fälle kommen Sie nämlich bei relativ einfachen Sachverhalten nicht teurer weg! Die (Film-)Mär vom Anwalt, der Sie lautstark aus dem Verfahren haut und dessen Genialität zum 100%igen Sieg führt, ist ein Märchen, genau wie das von der eierlegenden Wollmilchsau.

Aber was bedeutet das für den Rechtsstaat? Funktioniert er tatsächlich auf dieser Ebene, wenn berechtigte Verfahren und seien sie noch so schlicht und einfach, so teuer sind, dass sich das Führen des Verfahrens für jeden Erfahrenen und in der Folge logisch denkenden und rechnenden Menschen nicht lohnt?

Wenn das der  Sinn dessen war, was Rechtsstaatlichkeit bedeutet, wenn es darum geht, sich berechtigt gegen etwas wehren zu müssen, bleiben mir (berechtigte) Zweifel…

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