Gender-Mainstreaming oder: Manipulation im Gewand der Wissenschaft

Die Mäuler werden sich zerrissen über Gender-Mainstreaming und dessen Auswirkungen. Müßig, wiederholend das für und Wider hier durch zu käuen, welches wohl auch keiner mehr lesen würde, wäre da nicht ein interessantes Fundstück:

Dass das Ganze im Großen und Ganzen nichts weiter als ein Spuk ist, möchte ich statt eigener Worte heute einmal anhand eines Zitates verdeutlichen.

Vorab jedoch Eines: Auch meine Wenigkeit hat eine Winzigkeit psychologischer Vorbildung. Und dort wurde gelehrt, dass sich Nativismus und Behaviorismus während der gesamten Zeit des Bestehens psychologischer Forschungen, stets darüber streiteten, wer denn nun Recht habe:

Einerseits diejenigen, die „alles“ den Erbanlagen zuzusprechen versuchten und auf der anderen Seite diejenigen, die der Umwelt und deren Einflüssen zusprachen. Nach Jahrzehnten einigte man sich salomonisch: Fitfty-Fifty

Bis – ja bis – die Neukonstrukteure menschlicher Gesellschaften auf den Plan traten. Und da war es wünschenswert (und nicht wissenschaftlich belegt), dass alles – ja Alles! – konstruiert sei und das ist dann auch einfacher zu behaupten, denn was konstruiert ist, kann man umkonstruieren. So der Wunsch Vieler und insbesondere derjenigen, die politischen Idealen nacheifern. Koste es was es wolle…

Und was heute – auch und insbesondere im Familienrecht und diesen Zusatz möchte ich mir leisten– an Meinungen vorherrscht, ist altertümlicher und dümmer als das, was schon vor langer Zeit jemand zu sagen wusste:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.

Sie sind da durch euch, doch nicht von euch, und sind sie auch bei euch, so gehören sie euch doch nicht. (gilt insbesondere für parentalisierende Elternteile, d. Verf.)

Ihr dürft sie lieben, doch nicht für sie denken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihrem Körper Behausung bieten, doch nicht ihrer Seele.

Denn ihre Seelen wohnen im Hause des Morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr könnt versuchen, wie sie zu sein, doch strebt nicht danach, sie euch gleich zu machen.

Denn das Leben geht nicht rückwärts und verweilt nicht im Gestern.

                                                                             Kahlil Gibran

Zurück aus der Welt der Poesie und des Philosophischen, nun zu einem Buchauszug, welches natürlich somit auch zu empfehlen ist, (und sich eben auch mit den Auswirkungen des obigen Sprichwortes auseinandersetzt, hier aber vielmehr nun auf Gender und den Konstruktivismus bezug genommen werden soll).

Eine große Anzahl  menschlicher Eigenschaften wurde mittlerweile mit Hilfe verhaltensgenetischer Methoden erforscht. Die Ergebnisse sind eundeutig und konsistent.

Insgesamt sind rund 50 Prozent der Unterschiede bei den Testpersonen auf Erbanlagen zurückzuführen, die anderen 50 Prozent auf Milieueinflüsse. Menschen unterscheiden sich auf vielfältige Weise: Manche sind impulsiver, andere vorsichtiger, manche sind verträglicher, andere streitbarer.

Etwa die Hälfte der Unterschiede in der Impulsivität kann den Genen eines Menschen zugeschrieben werden, die andere Hälfte ihren Erfahrungen; dasselbe gilt für die Veträglichkeit.

Und dasselbe gilt auch für die meisten anderen psychischen Eigenschaften.

Dieses Ergebnis erscheint nicht besonders bemerkenswert, eher so, wie man es erwartet hätte. Doch in den siebziger Jahren, als diese Resultate zum ersten Mal in psychologischen Fachzeitschriften erschienen, stand die amerikanische Psychologie noch unter den Auswirkungen des Behaviorismus mit seiner erbfeindlichen Einstellung.

Auch das politische Klima im Lande war so, dass man Erbanlagen zu  ignorieren trachtete; die Existenz angeborener Unterschiede hielt man für unvereinbar mit dem Ideal menschlicher Gleichheit.

Die Erbe/Milieu-Problematik wurde mit Politik vermischt, und die Emotionen wallten.

Die Verhaltensgenetik war damals ein unpopuläres Gebiet. doch das Interesse an den Auswirkungen von Erbanlagen ist kein Symptom einer bestimmten politischen Einstellung – es kann sogar einen leidenschaftlichen Linken erfassen. 

Im Laufe der Zeit wurde – zum Teil aufgrund der Fortschritte in der Molekularbiologie – die Beschäftigung mit den Auswirkungen der Gene in akademischen Kreisen allmählich eher akzeptiert. Nach und nach nahm die Zahl der Verhaltensgenetiker zu.

Dennoch sind sie im Vergleich zu den Sozialisationsforschern eine verschwindend geringe Gruppe. Vielleicht fällt es deshalb den meisten Sozialisationsforschern so leicht, die Ergebnisse der verhaltensgenetischen Studien einfach zu ignorieren.

Die Verhaltensgenetiker ihrerseits ignorieren die Arbeiten der Sozialisationsforscher durchaus nicht. Immer wieder haben sie darauf hingewiesen, die mangelnde Berücksichtigung der erblich bedingten Faktoren führe dazu, dass die Ergebnisse der meisten Sozialisationsstudien nicht verwertbar seien.

Und sie haben Recht.

Entnommen aus: IST ERZIEHUNG SINNLOS? Judith Rich Harris; rororo; Veröffentlicht: November 2002 / nur noch archivarisch zu bekommen.

Haben Sie heutige Zeiten wieder erkannt? Sie haben aber einen Artikel gelesen, der mindestens 15 jahre alt ist. Die Erstveröffentlichung fand ja in den USA schon vor 2002 statt und nicht hier.

Man könnte meinen, man liest ein Manifest aus heutiger Zeit gegen die Arbeit der Gender-Konstrukteure. Aber es ist viel Schlimmer! Man liest, was die Wissenschaft vor Jahrzehnten schon feststellte und heute erneut negiert wird.

Und, dass im 21. Jahrundert scheinbar sogenannte Wissenschaftler das Ruder dergestalt an sich gerissen haben, dass sie sich erlauben können zu behaupten, das Rad neu erfunden zu haben und sehr genau zu wissen scheinen, dass den Wenigsten auffällt, wie sehr sie hinter’s Licht geführt werden. Ja, und die Erde ist ein Scheibe…. Bald ist es wieder soweit.

Nun also doch!

Und das politisch tätige Akteure, die durchaus nicht hehren Zielen folgen, hier ein Wörtchen mit zu reden haben und sich das Gewand der Wissenschaft heuchlerisch versuchen anzuziehen, offenbart sich alleine dadurch, dass in dem zitierten Abschnitt von eben Jenen schon die Rede ist.

Schade, dass wir uns mit Strömungen auseinandersetzen müssen, die den Verdacht aufwerfen, nicht nur längst wissenschaftlich belegbare ausgearbeitete Fakten zu negieren, sondern Gott spielen wollen:

Wer konstruieren will, muss nachweisen dass er Konstruiertes vor sich hat. Clever ausgedacht.

Ich habe fertig.

 

 

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