The failed state – SOMALIA

Die täglichen Nachrichten berichten derzeit Schlimmes als auch Positives über Somalia; ein Land, dass in den 90ern und darüber hinaus, bei amerikanischen – und auch anderen – Soldaten, Alpträume erzeugte und bis heute als Terroristennest verschriehen ist – was durchaus seine Berechtigung hat.

Somalia, the failed State. Gescheitert. Unregierbar. Von einer Terroristentruppe belagert (al-Shabaab) und von lokalen Milizen ersatzweise terrorisiert. Anarchie in Reinkultur.

Neben der erneuten Hungerkatastrophe, hallen Jubelschreie in die Welt hinaus, welche verkünden, das Somalia einen neuen (jungen) Präsidenten hat, dem die Probleme seines Landes bewusst sind (ach neee…) und der nun Hoffnungsträger für seine geschundene Bevölkerung und der internationalen Gemeinschaft sein soll.

Würde es sich bei dem neuen Präsidenten um ein Mitglied der „“Expendables“ handeln, würde ich dem ja noch Hoffnung schenken. aber dem ist nach meinen Recherchen nicht so.

Na, „dann schaun mer mal“, um den Spruch eines bekannten Ex-Fußballers heran zu ziehen.

„Dann schaun mer mal genauer hin“, darf ich proklamieren und wende den Nachrichten besondere Aufmerksamkeit zu.

Was ist diesen Nachrichten substantielles zu entnehmen?

  1. Dort gibt es einen neuen Präsidenten
  2. Es gibt Milliarden Hilfen der internationalen „Gemeinschaft“ und auch Deutschland’s

Das war’s dann aber auch… Und weiter? Naja, mehr Details zu offenbaren, kann hier kaum wünschenswert sein, denn neben der Motivlage, dass „man“ Flüchtlingsströme an der Wurzel des Problemes anpacken möchte, sind die dahinterliegenden Gründe nicht für die Nachrichten gedacht.

Um zu verstehen, wie „Afrika-Politik“ wirklich funktioniert, müssen wir also dorthin schauen, was nicht Einzug in die „Tagesschau“ findet und schauen uns dieses „Land“ etwas genauer an.

Im Norden des Landes hat sich ein „Staat“ gebildet, der seit Jahren um internationale Anerkennung ringt – und diese nicht bekommt: SOMALILAND

Somaliland, war der ehemalige britisch kolonialisierte Teil von Somalia, während der Rest sich der italienischen Kolonialisierung „erfreuen“ durfte. Das die Kolonialmächte sich allesamt nicht gerade mit Ruhm beklekkerten ist gemeinhin bekannt und hier nicht das Thema. Nur geographisch kann man sich also nun über Somaliland ein Bild machen.

Nachdem das nun geschehen ist, lesen wir bei „wikipedia“ über Somaliland; Zitat:

Die Republik Somaliland ist als De-facto-Regime ein praktisch unabhängiger, international aber bisher nicht anerkannter Staat in Ostafrika, der den Nordteil Somalias – das ehemalige Kolonialgebiet Britisch-Somaliland – umfasst.

Und finden hier die erste breit gestreute Falschinformation. Denn Somaliland ist tatsächlich eine funktionierende Demokratie (!) und kein „De facto Regime“, wie man es Glauben machen möchte.

Somaliland kennt keinen Terrorismus und keinen Bürgerkrieg. Es bekämpft die Piraten, indem man sie – wenn man welche fasst – entwaffnet und einsperrt. Tatsächlich! Denn die Regierung von Somaliland hat ein absolut stabiles Land schaffen können, dass sich im Übrigen schon 1991 für unabhängig erklärt hat. Und das tatsächlich auch anderslautene Beschreibungen von Somaliland zu finden sind, zeigt diese Schweizer Web-Site, die ich in diesem Zusammenhang empfehle zu lesen, um sich ein Bild machen zu können:

https://www.nzz.ch/international/afrika/somaliland-der-staat-den-es-nicht-geben-darf-ld.13370

Somaliland druckte in der Folge dann tatsächlich auch eigenes Geld, welches bis heute in Stapeln gebunkert wird, denn die Währung wird neben der fehlenden Anerkennung dieses Landes ebenso nicht akzeptiert, und ist demnach für den Weltmarkt auch nicht anwendbar.

Während nun also auch die Bundesregierung 2 Milliarden (!) Euro in Somalia hoffnungsfroh „investieren“ will, wobei wir wohl nie erfahren werden, wo das Geld letztlich dann tatsächlich gelandet ist, bekommt Somaliland im wahrsten Sinne des Wortes, keinen Heller! Keinen einzigen Euro-Cent! Nichts. Nada! Ein stabiles Land, dass zu fördern sich lohnen würde, wird links liegen gelassen. Stattdessen investiert man in ein Terror-Nest. In einen „failed State“, wie gescheiterte Staaten international genannt werden.

http://www.kas.de/wf/doc/kas_23326-544-1-30.pdf?110822132907

Woran liegt das? Nun letztlich an der „unlängst“ stattgefundenen Kongo-Konferenz in Berlin (1884/1885) in der die Grenzen der afrikanischen Staaten gezogen wurden, und zwar nicht nach den ethnischen Begebenheiten des Kontinents, sonden lediglich nach der Interessenlage der europäischen Kolonialmächte.

Und die „Staatengemeinschaft“ hält an der „grundsätzlichen Unverrückbarkeit von Verfassungsstaaten“ fest, was eben die Anerkennung sich neu gebildeter Staaten in Afrika verhindert. Wenn es auch nicht gerade logisch erscheint oder der Friedenssicherung verhilft. Im Falle von Somaliland wäre dies ein Argument, wenn es auch Ausnahmen gibt, wie z.B. der Fall Süd-Sudan.

In der aktuellen Gemengelage der Politik und demzufolge also auch in den de facto sehr kurz gehaltenen Nachrichten für die Öffentlichkeit, sind also auch die Bestrebungen von Somliland nicht gerne gesehen und bleiben somit unerwähnt.  Ja, sie sind sogar unerwüscht. Dass es sich um ein stabilisiertes Land handelt, dass völlig auf sich alleine gestellt, versucht zu überleben, und ganz nebenbei mit eigener (schlecht ausgerüsteter) Polizei und ein wenig Militär versucht, sich bewaffneter und gut gerüsteter Eindringlinge zu erwehren, wird so nicht dargestellt.

Liest man den wikipedia Artikel über Somaliland weiterhin durch, stößt man auch auf eine Begründung, warum Somaliland noch keine Unabhängigkeit erfahren darf. Wegen des Konfliktes mit Bevölkerung in der Region Puntland. Dieses Argument ist aber nur vordergründig angeführt, denn tatsächlich will man Somalia als „Einheit“ erhalten. Eine Einheit, die es dort genausowenig gibt und gab, wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch.

Auch gab das auswärtige Amt für Somaliland eine Reisewahrnung aus. Der Leser bekommt also ebenfalls den Eindruck eines völlig chaotischen und zudem gefährlichen Landes.

Das Somaliland sicher kein Paradies für Alltours-Touristen ist und auch keine Sicherheitsstandards anderer Länder hat, kann und muss auch nicht negiert werden. Trotzdem ist Somaliland, verglichen mit dem Rest-Somalia, ein Land mit paradiesischen Zuständen.

Und um AFRIKA besser kennen lernen zu können und auch um Somaliland „kennen zu lernen“ bedarf es oft Berichten derjenigen wenigen Personen, die solche Länder bewusst und intensiv bereisten.

Denn die Medien scheinen dazu eher ungeeignet zu sein.

Daher darf ich einen atemberaubenden und unglaublich tollen Reisebericht in Form eines Buches der Familie Beck empfehlen, die mit ihrem Geländewagen auch Somaliland besuchten. Und wer dieses Abenteuer als angenehme Bettlektüre liest, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus:

Empfehlung:

Werner Beck: Afrika hautnah

https://www.amazon.de/Afrika-hautnah-Cruiser-Grenzg%C3%A4nger-Kontinent/dp/3768836940/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1494494443&sr=8-2&keywords=Afrika+hautnah

Und während Beck so durch Afrika streift, gelangt er irgendwann auch nach Somaliland. Neben dem für uns amüsanten Erlebnis, dass er als erwünschter und seltener Tourist vom Vize-Präsidenten persönlich begrüßt wird, der sich noch dafür entschuldigt (!) dass der Präsident gerade nicht zugegen sein kann, bekommen die Beck’s an ihrem Nachtlager zwei Soldaten „aufgezwungen“, die des Nachts am Strand den mit einer Schlafkabine ausgestatteten Geländewagen bewachen! Ganz ohne erwünschtes Bakschisch….

Der Vize-Präsident begründete den Service unerwarteter Bodyguards mit den Worten, „man könne sich als ein Land, dass die Unabhängigkeit begehrt, nicht erlauben, dass nur irgendjemandem der sie bereist, auch nur ein Haar gekrümmt würde. Die Staaten würden sie genau beobachten.“

Weshalb ich mich dem Thema „Somaliland“ heute gewidmet habe? Vielleicht auch nur, um einmal darauf aufmerksam zu machen, dass Afrika für uns immernoch ein völlig unbekannter Kontinent ist. Das Afrika eben nicht nur – wenn auch leider oft und in großen Teilen – aus räuberischen Banden besteht und dass es Zeit würde, – auch für unsere Medien – erst einmal ein wahrheitsgetreues Bild über Afrika aufzubauen und sich wirklich einmal mit diesem Kontinent zu beschäftigen. Denn Hilfe, so man sie tatsächlich gewähren möchte, kann nur dann effektiv erfolgen, wenn man ein Land, oder einen ganzen Kontinent tatsächlich kennt.

Ich wage zu behaupten, dass neben diverser wirtschatlicher Interessen, tatsächlich überhaupt kein weiteres Interesse besteht, diejenigen zu fördern die es verdient haben und – man möge mir diese Worte verzeihen – diejenigen eben NICHT zu fördern, bei denen genau bekannt ist, wie das Spiel am Ende ausgeht.

Investieren wir also Gelder in Länder die den unbedingten Willen zeigen, eine stabile Gesellschaft zu gründen, sind dies Investitionen in die Zukunft, die diese Begrifflichkeit auch verdient haben.

Dann, und nur dann, sind aus eben diesen Ländern auch keine Flüchtlingsströme mehr zu erwarten. Wollte man, dass diese abreißen…

Stattdessen wird ein „neuer Präsident“ hoffiert, der auch „Mister Käse“ genannt wird und der alle Hoffnungen schon verbal eingebremst hat.

„Mohamed Abdullahi“, der eine recht aufregende Amtseinführung erfuhr, da ganz nebenbei die Al-Shaabaab Miliz mit Bombenanschlägen zeitgleich auf sich aufmerkam machte – was in der „Tagesschau“ nicht erwähnt wurde -, ist ein „us-somalischer Doppelbürger“. Könnte sich hier die Frage aufwerfen, wem sich dieser neue Präsident tatsächlich berufen fühlt und welche Interessen er tatsächlich dann zu vertreten gedenkt?

http://www.aljazeera.com/news/2017/02/president-mohamed-abdullahi-farmajo-inaugurated-170222081953516.html

Da die Freunde Amerikas nun mit Geldern zur Hilfe stehen, allen voran auch unsere Bundesregierung, erscheint vor diesem Hintergrund dann auch erklärlich.

Und so finden sich in seinem Werdegang viele Anhaltspunkte, welche dies untermauern. Somit sogar bei wikipedia zu finden:

1985–1989 war er Finanzbeamter in der somalischen Botschaft in den USA[4] und arbeitete vor seiner Emigration in die USA 1990 im Außenministerium von Somalia.[5]

Von 1994 bis 1997 arbeitete er bei der Wohnungsverwaltung der Stadt Buffalo als Finanzbeauftragter[4], von 1995 bis 1999 in einem Bleientsorgungsprogramm. Von 2000 bis 2002 war er im Gleichstellungsbüro der Erie County beschäftigt und danach in der Verkehrsabteilung in Buffalo tätig.

Im Dezember 2010 geriet der Minister in die Kritik, weil seine Regierung (denn als Staatschef war er schon mal tätig, nämlich von 2010-2011) ohne die Zustimmung des Parlaments Verträge mit zwei ausländischen Firmen geschlossen hatte.[10] Dabei handelte sich es um einen Auftrag für die Ausbildung der Präsidentengarde mit der Sicherheitsfirma Saracen International sowie die Vergabe der Verwaltung des Flughafens Mogadischu an die Firma SKS.

Zumindest eine Nähe zur Wirtschaft ist seinem Werdegang also ableitbar. Ob er Nähe zu seinem geschundenen Volk praktizieren wird, bleibt erst einmal abzuwarten.

Ohne von vorneherein per se Schlechtes unterstellen zu wollen,  bleibt ein fader Beigeschmack. Besteht ein Interesse daran, Somalia zu befrieden? Will er in Zusammenarbeit mit der USA tatsächlich die Terrorgruppen und die Piraterie bekämpfen und wenn ja, wie?

Fragen über Fragen, die offen bleiben, während übliche politische Phrasendreschereien die Nachrichten beherrschen.

Jedenfalls darf er sich großer finanzieller Hilfen erfreuen. Somaliland bekommt diese nicht. Und trotz der Erwähnung bei wikipedia bezüglich des erwähnten und 2010 stattgfundenen „Ausrutschers“, soll er „in der somalischen Bevölkerung“ einen guten Ruf haben und bekannt sein für „Transparenz“.

Da lohnt es sich, die widersprüchlichen Formulierungen und Bekanntgaben auch deutscher Medien mal genauer zu betrachten:

Und wer wäre da nicht besser geeignet, als die „taz“… Bei der „taz“ gibt es ein klares Bild von „Gut“ und „Böse“, das schon oft bei vielen Lesern für Verwirrung und Kopfschütteln sorgte, aber hier offenbart man in einen recht seichten Artikel und selbst eingebrachte Widersprüche, deren Aufklärung aber in der Folge gänzlich fehlen.

http://www.taz.de/!5380154/

Zitat:

Der neue Staatschef hat den Ruf, transparent und nicht korrupt zu sein. Er war sehr beliebt während seiner kurzen Zeit als Regierungschef 2010/2011. Damals sorgte er dafür, dass Regierungssoldaten bezahlt wurden und Minister ihre Vermögenswerte offenlegen: eine ganz neue Art der Transparenz in Somalia. Kein Wunder, dass der Premier daraufhin politischen Machenschaften zum Opfer fiel.

Oh, welch Loblied! Um dann in der Folge lesen zu müssen:

Die Präsidentschaftswahl jetzt fand auf einem Hochsicherheitsgelände im hermetisch von ausländischen Eingreiftruppen abgeriegelten Flughafen von Mogadischu statt. Es waren wahrscheinlich die längsten Wahlen der Welt. Normale Bürger konnten nicht wählen. Klanälteste bestimmten über 14.000 Delegierte, die wiederum 275 Parlamentsabgeordnete wählten. Die Parlamente der sechs designierten Bundesländer Somalias – Puntland, Somaliland, Jubbaland, South West State, Galmudug, Hirshebelle – bestimmten 54 Mitglieder des Senats. Beide Häuser zusammen wählten den neuen Präsidenten.

„Normale Bürger“ konnten also nicht wählen? KONNTEN oder SOLLTEN nicht? Die taz, plötzlich ganz seicht und konform, gar nicht auf den gewohnt verbal agressiven Zug aufspringend, wenn es um die Bennennung „feministischer Programmatik“ oder böser Umtriebe in Deutschland geht, kommentiert dieses „ganz neue Demokratieverständnis“ im Weiteren überhaupt nicht.

Solche Art „Wahlen“ sollte sich mal ein Land erlauben, dass gleichzeitig die Chuzpe an den Tag legt, Gelder der Weltengemeinschaft verlangen zu wollen. In diesem Falle scheint es so, als störe es niemanden. Und dies muss Gründe haben.

So ließe sich der Vorgang in Somalia sicher noch lange weiter ausführen. Ein fader Beigeschmack bleibt jetzt schon.

Zwei Milliarden Euro will Deutschland in diesen „failed State“ investieren, der angeblich – so der neue Präsident – noch zwanzig Jahre brauche, um befriedet zu werden.

KEIN Geld für Somaliland, dass dringender Entwicklungshilfe bedarf und aufzeigt, dass es anders gehen kann, wenn man nur will.

Stattdessen, zwei Milliarden Euro in ein Land investiert, über das mir zwei somalische Flüchtlinge folgendes berichteten:

„Oh. Al-Shaabaab. Kommen in Haus und einfach nur Bumm-Bumm. Alle tot. Waffen jeder hat. Ich mich versteckt habe. Vater tot. Dann Mutter vergewaltigt. Dann auch tot. Ist normal in Somalia. Immer Krieg.“

Das hatten die beiden jugendlichen Flüchtlinge aus Somalia dann auch ein wenig verinnerlicht. Unter Gewalt groß geworden, waren sie selbst nicht in der Lage, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren, weshalb sie in der Folge notgedrungen Hausverbot in der Kneipe erhielten und raus geworfen wurden, weil sie u,.a. der Meinung waren, dass ausgetrunkene Gläser sich eignen, an der Theke zerschmettert zu werden. Bier ist nicht für Jeden sonderlich verträglich….

Somalia ist – wie viele andere Länder auch – ein Politikum. Geprägt von ausländischer Einflussnahme. Unmoralischer Motivation derselbigen. Verlogener Politik der Staatengemeinschaft und Opfer von Interessen, die wir in ihrem widerlichen Ausmaß nur erahnen können.

Wäre dem nicht so, würde man wirklich überlegen, wie eine Hilfe überhaupt möglich sein kann. Und man würde Geld nach Somaliland überweisen. Würde….

 

 

 

 

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