Alkohooohl, ist das Dressing für deinen Kopfsalat…

http://www.songtexte.com/songtext/herbert-gronemeyer/alkohol-3bdcf49c.html

Dieses Lied, ging mir heute morgen durch den Kopf, weil ich vor Ärger sogar heute Nacht aufgewacht bin.

ALKOHOL, in Deutschland – oder: Was niemand sehen will.

Ja, ich fahre ab und an TAXI. Ich bin Einer dieser Leute, die von manchen Fahrgästen mitleidig belächelt werden, wie man so tief sinken kann. Ich lasse sie gerne in ihrem Kleingeist dahin siechen und die Hintergründe, sowie meine anderen Tätigkeiten gehen sie sowieso nichts an.

Und ich bin WHISKEY-Liebhaber. Ja, ich habe im Moment so circa 8 – 10 Sorten Whiskey zuhause. Nicht gerade der Billigste und nicht das Gesöff aus der Kneipe. WHISKEY ist gerade sowieso IN und ganz nebenbei so ein bißchen Eines meiner Hobbys. Nur das eine Flasche – wenn sie übehaupt auf ist – so nach ca. 1  1/2 Jahren noch halb voll ist. Und meistens hatte dann noch der Ein oder Andere Freund seinen Anteil am Getrunkenen.

Vor einigen Jahren regte ich mich über die Hatz gegen die Raucher auf. Keine Frage! Rauchen IST ungesund! Darüber gibt es nichts zu diskutieren. Keine Frage! Rauchen ist eine Sucht! Auch darüber diskutiert man besser nicht. Nur die Art und Weise, wie man mit Rauchern dann verfuhr, war nicht gerade Gentleman-Like. Damit soll das Thema hier abgeschlossen sein.

Was scheinbar niemanden interessiert, ist die Sauferei. Was sie schon für einen Schaden angerichtet hat, dürfte kaum zu errechnen sein. Und im Laufe des TAXI Fahrens bekam ich in Richtung ALKOHOL dann irgendwie eine ganz neue Sensibilität für dieses Thema.

Rechne ich heute die Menschen zusammen, die sofort als Alkoholiker diagnostiziert würden, und die ich kenne, bekomme ich mittlerweile Angst.

Menschen, die vom Charakter her eigentlich einwandfrei sind. Menschen, die auch viele Schicksalsschläge haben hinnehmen müssen. Aber auch Menschen, die sich jetzt und heute permanent selbst belügen, und die nur noch Eines im Sinn haben: BIER her!

Manchmal bekomme ich gesagt: Neee, Whiskey ist nix für mich! Und dann betrachte ich mir diese Leute. Ja, Whiskey ist tatsächlich nichts für sie. Nicht, weil er ihnen nicht schmecken würde, denn das Argument ist nur vordergründig. Sondern, weil das Zeug ihnen zu teuer ist.

Alkohol muss her. Und zwar in Massen. Bier eignet sich dafür recht gut. (Bei Frauen übrigens, ist der Wein dahingehend gerne gesehen).

Meine Ex-Schwiegermutter, die nicht mehr unter den Lebenden weilt, war mal Alkoholikerin. (Später, hörte sie jedoch mit dem Trinken auf). Ich muss keinem sagen, dass diese Frau zu diesen Zeiten so unausstehlich war (nebst ihrem ohnehin zweifelhaften Charakter), dass ich heute, selbst nach ihrem Tode, mir den Luxus erlaube, sie zutiefst zu verachten. Nicht wegen der Sauferei. Das ist eine Krankheit und ich bewundere die Suchttherapeuten. Sondern wegen dem, was dabei heraus kam…

Mein Stiefvater war auch Alkoholiker. Heute ist mir das eher bewusst. Er war sehr gläubig und wollte ein guter Christ sein. Die Sauferei hielt ihn dann nicht davon ab, sich absolut gegenteilig zu benehmen.

Am Wochenende musste eine Freundin einen abendlichen Ausgehtermin mit uns absagen. Warum? Weil Ihr Gefährte zu einem Fußballspiel ging und sie genau wusste, dass er Hackedicht wieder nach Hause kommt. Ich habe ihn auch bislang als Freund betrachtet. Jetzt geht er mir mit seinem dummen Gelaber nur noch auf den Geist.

Nein, heute schreibe ich nicht aus therapeutischer Sicht. Ich schreibe auch nicht verständnisvoll und nutze verbale Blümchen, ob der schrecklichen Krankheit. Ich schreibe heute emotional. Aus meiner Sicht und menschlich. So, wie es jemand schreibt, der genervt ist. Ja, liebe Säufer! Nicht nur Euch geht es schlecht. Ihr belastet auch Eure Umwelt!

Ich kenne mittlerweile soooo viele Menschen, von denen ich genau weiß, dass sie nicht ausgehen, wenn sie wissen, an diesem Tag aus irgendeinem Grund (vielleicht weil sie noch fahren müssen), keinen Alkohol trinken zu können. Dann bleiben sie lieber zuhause. Und wir reden hier nicht von 0,2 cl Whiskey, die man mal genießt oder EINEM Bier und dann ist es gut. Könnten sie das noch, würden sie ja mitkommen. Nein, sie wissen: Betrete ich die Kneipe, komme ich Voll wieder raus.

… und labern den Taxi Fahrer zu. Nun, das bin ich gewöhnt. Aber manchmal könnte ich der Figur, die seit vierzig (!) Jahren Hartz IV bezieht – Ja 40 ! – und der seinen Vater verhauen hat um auch dessen Rente zu versaufen, sorry: Eins in die Fresse hauen.

Ich doofer Idiot, genügsamer Esel und dafür immer wieder bestraft worden, wollte gestern einem mir bekannten Handwerker einen Gefallen tun und mir auch. Das Fenster kann jetzt neu gesetzt werden. Ich hätte es wissen sollen. Ich bin nur noch froh, dass er nicht noch vom Dach gefallen ist.

Ja, ich rege mich gerade auf. Zurecht, wie ich meine. Nein, meine Nerven würden nicht mehr ausreichen, Suchtkranke zu behandeln. Diesem Job gebührt allerhöchster Respekt. Wir sind immernoch ein „freies“ Land, möchte man zumindest meinen. Man kann das Zeug nicht verbieten. Das wäre auch der falsche Weg.

Es ist auch nur noch traurig, wenn ich die zahnlosen Leute sehe, wenn ich in die entsprechenden Kneipen als Taxi-Mann komme und sehe sie, mit immer den gleichen Klamotten und der zerstörten Existenz. Die meisten von ihnen gehen sogar arbeiten. Und verdienen nicht schlecht! Zur Freude des Gastwirtes. Des einen Freud, des anderen Leid. Sie haben nichts. Rein gar nichts mehr. Wie sie das schaffen, arbeiten zu gehen und dann sich bis nachts um zwei vollaufen zu lassen, finde ich faszinierend. Ich würde das nicht aushalten.

Aber die Masse derer erschreckt mich. Und sehe ich die Auswüchse, die eine moderne, offene Gesellschaft so mit sich bringt, frage ich mich manchmal, ob die meisten Menschen nicht tatsächlich einfach nur Führung und Vorschriften brauchen, um sich nicht selbst zu zerstören.

Eines – und wenn es auch nicht wirklich viel ist – kann ich einem ehrlichen Muslim abgewinnen. Er meidet Alkohol und er weiß wohl auch warum.

Schade, dass ein wenig Verstand und Einsicht scheinbar nicht ausreicht, das selbstzerstörerische Tun zu erkennen. Deshalb ist es ja auch eine Krankheit. Aber krank zu sein, ist heute auch beliebte Ausrede. Zudem fehlt den Meisten sogar die Krankheitseinsicht. Sie brauchen sich also nicht mal damit raus zu reden. Sie finden noch viel profanere Ausreden.

Scheinbar sind wir Menschen dann doch so unzulänglich gestrickt, dass es einer  fundamentalistischen und strengen Religion bedarf, die jeder Logik, wissenschaftlicher Erkenntnis und oftmals reiner Menschlichkeit an sich, wiederspricht, um Menschen vor sich selbst zu schützen.

Das ist nicht gut. Gar nicht gut.

 

 

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