Der BGH „definiert“ den Kindeswillen in seiner allumfänglichen Weisheit neu…

Denn auch, wenn ein derzeit zartes Pflänzchen gedeiht, unser deutsches Familienrecht zu hinterfragen, so haut unser höchstes Gericht immer mal wieder dazwischen, damit die Väter auch weiterhin wissen, wo genau der Frosch die Locken hat.

Und so haben die weisen obersten Richter wieder einmal gezeigt, wie leicht es sich nicht nur mit dem Begriff des Kindeswohls, sondern auch mit dem Begriff des Kindeswillens spielen lässt…

So fertigte der BGH ein weiteres Meisterstück, den Willen der Kinder zu ignorieren.

Der Fall:

Vater verfällt nach Kind und Scheidung nach Jahren auf die grandiose Idee, nun eine Dame aus der Dominikanischen Republik zu heiraten und drei Kinder zu bekommen. Gute Nacht. Die Dame kann nichts verwertbares und macht dann eine Krankenpflegerausbildung.
Die Ehe dauert acht Jahre. Dann zieht sie aus, nimmt die Kinder mit, beantragt und bekommt das Aufenthaltsbestimmungsrecht.
Der Vater zieht dies in der Folge durch die Instanzen, denn alle Kinder sprechen sich eindeutig vor der gesamten Helferindustrie und den Richtern dafür aus, beim Vater in der alten Wohnung bleiben zu wollen

Keine Chance. Man installiert ein teures Gutachten, dreht alles gegen den Vater. Kindeswille stimmt nicht. Die Show ist ziemlich einmalig, die da abgezogen wird:

„Die Sachverständige habe dokumentiert, dass der Vater überbehütende Tendenzen aufweise und vollständig in das Leben der Kinder integriert sein wolle. Seine Reaktionen und Aktionen in Übergabesituationen, die aktenkundlich geworden seien, zeigten eine erhebliche Schwierigkeit des Kindesvaters, sich von den Kindern zu lösen und diese der Mutter zu übergeben. Sein Verhalten und die von ihm getätigten Aussagen trügen dazu bei, die Kinder in eine angespannte Situation zu versetzen, sie zu verunsichern oder ihnen gar Schuldgefühle oder Gefühle der Verantwortung für den Vater aufzubürden. Insbesondere das älteste Kind solidarisiere sich mit dem Kindesvater, um dessen besondere Aufmerksamkeit und Bestätigung zu erlangen. Schon im Ausgangsverfahren habe dieses gegenüber dem damaligen Verfahrensbeistand statt eigener Bedürfnisse vorwiegend den Wunsch und Willen des Kindesvaters zum Ausdruck gebracht. Aus sachverständiger Sicht handele es sich um eine Kombination aus einem autonom entstandenen Willen und nicht autonom entstandenen Anteilen durch Beeinflussung des Vaters. Das versetze das Kind in einen Konflikt, so dass es Gefahr laufe, seine eigenen Bedürfnisse aus den Augen zu verlieren. Insgesamt assoziierten die Kinder hauptsächlich die Vorzüge des Wohnens im ehemaligen Familienwohnhaus und die damit verbundenen Lebensumstände (Haus, Garten, Spielmöglichkeiten, Haustier) mit einem Lebensmittelpunkt beim Kindesvater. Zwar sei nicht zu verkennen, dass die Kinder emotionale Gründe angegeben hätten, warum sie gern beim Vater leben wollten. Andererseits sei auch zu berücksichtigen, dass sich im Laufe des Verfahrens und des Ausgangsverfahrens starke Beeinflussungs- oder gar Instrumentalisierungstendenzen des Kindesvaters gezeigt hätten. Der Wille der Kinder allein als psychische Lebenswirklichkeit wiege weniger schwer, da er nicht Ausdruck von kindlicher Selbstbestimmung sei.“

BGH-Beschluss

Man stelle sich das mal mit vertauschten Rollen vor. 70% der Mütter würden das Aufenthaltsbestimmungsrecht verlieren.

Auch der Rest der Begründungen sind eine irre Aneinanderreihung von „was nicht passt, wird passend gemacht“. Die Motivation der Richter ist klar. Kinder bei der Mutter. Quetscht den Vater mit Unterhalt aus dass die Schwarte kracht, der wird seine Ex-Frau die nächsten 20 Jahre voll zu finanzieren haben. Umgekehrt würde sie wahrscheinlich ein Sozialfall, der Staat hätte zu blechen. Um das zu verhindern werden Gerichte sehr kreativ – der BGH ganz besonders.

Und er ist in seiner allumfänglichen Weisheit natürlich auch zu beurteilen in der Lage, wie ein Wille entsteht, ob er autonom ist und was das Beste für ein Kind ist – auch gegen dessen Willen. Was ein Glück, das wir diese geballte emotionale Intelligenz auf diesen Richterstühlen haben.