Aufstand der Anständigen?

Da hat unser Bundespräsident, der sein repräsentatives Amt gerne mit politischen Richtungsäußerungen nach seinem persönlichen Gusto auskleidet, ja seinerzeit und wiederholt auch den Aufstand der Anständigen lauthals kolportiert wohl wissend, dass ja eigentlich jeder – meistens jedenfalls – zu eben diesen Anständigen zählen möchte.

Nun ist ja eine gewisse Form der Phrasendrescherei für einen Politiker immer recht einfach, denn er redet herab von der Kanzel und alle müssen notgedrungen zuhören. Da kreischt keiner dazwischen und stellt unangenehme Nachfragen, so wie es bei mir am Küchentisch wohl passieren würde oder vor Ort, in einem Gemeindehaus oder am ach so gerne hämisch belächelten Stammtisch.

Solches weiß man sehr wohl zu umkreisen, denn wer sich in einer anderen Liga wähnt, beschäftigt sich nicht wirklich mit Pack und Pöbel und selbst diese Bezeichnungen sind ja nicht wahllos gewählt, da auch sie ja schon von den politisch Tätigen gefallen sind, als sie sich den Unanständigen meinten gegenüber zu sehen.

Wo fängt nun der Anstand an und wo hört er auf? Aber viel mehr gilt die Frage: An wen wendet man sich denn am besten bei diesem hohen und ehrvollen Ansinnen? Meist neigt der Mensch dazu, mit dem Finger auf andere zu zeigen wohl vergessend, dass er im Glashaus sitzt.

Ich habe einen Satz des Altkanzlers Helmut Kohl nie vergessen, der im allgemeinen völlig unbeachtet blieb, als er einmal im Angesicht der CDU-Spendenaffäre sagte, dass „die Affäre sehr wohl die Parteispitze und Spitzenpositionen beträfe, aber nicht die Ligen unterhalb dieser Ebene. Kommunalpolitiker und Landespolitiker seien weitestgehend nicht betroffen und würden anständig und dem Volke dienend, ihre Arbeit machen.“

Das war ein genialer Schachzug! Denn er sprach somit weitestgehend viele Ebenen von Schuld frei, und wahrscheinlich war das auch richtig so. Er zollte dem Spruch Tribut: „Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken“, wobei er in der Regel (nicht immer!) damit recht hat und wer gerne Fisch isst weiß, dass manchmal das ganze Tierchen stinkt.

Unser Bundespräsident und alle mit ihm, die nun gerne den Aufstand der Anständigen fordern, haben diesen Spruch nun umgedreht. Der Fisch fängt am Schwanz an zu stinken und wir, die Politiker – also der Kopf – sind die, die hier von Euch ständig schmählich beschimpft werden, wo wir doch versuchen, dem Volke dienend, unsere Arbeit zu machen und die machen wir natürlich gut. Im Grunde ebenfalls ein genialer Schachzug!

Verschiebt er doch die Verantwortung und auch den notwendigen Anstand hin zu denen, die mit dem Finger gen Berlin zeigen und lenkt die Aufmerksamkeit von sich ab. Shih Tsu, der die „Kunst des Krieges“ vor über 3.000 Jahren schrieb, hätte es nicht besser machen können.

Dabei sprühen diese Aussagen nur so vor Verlogenheit, dass sie einem ins Gesicht springen.

Dieses Land hat in den letzten 12 Jahren einen Wirtschaftsboom erlebt, der bald länger andauerte als der nach dem 2. Weltkrieg. Und dieser Boom war nicht möglich wegen der mancher Orts seltsamerweise immer noch gefeierten sogenannten Kanzlerin, und auch nicht wegen der Politik im allgemeinen, sondern trotz dieser Politik. Hier hatten sich wieder Tugenden derjenigen durchgesetzt, die man nicht nur verschwunden wähnte, sondern die die Party hier bis heute irgendwie zahlen konnten.

Im Ergebnis hat nach Jahren des Booms die Politik parallel und somit vergleichend, folgendes geschafft:

– Ein völlig kaputtes Gesundheitssystem mit Ärzte- und Pflegermangel und einer Behandlung von Patienten, die das Wort „Behandlung“ nicht verdient hat

– Die größten Infrastrukturprobleme die die Bundesrepublik je hatte mit kaputten Brücken und einem Digitaldesaster

– Sogar lt. tagesschau eine Obdachlosenanzahl von geschätzten 1,2 Millionen Menschen, über die man keine Statistik führt. Und weil die Zahl so unglaublich hoch erscheint, habe ich die „Tagesschau“ gleich mit erwähnt, denn die ist ja nicht gerade als investigativ bekannt

– Eine marode Bundeswehr mit exorbitantem Wasserkopf und einer Berateraffäre, die eine Frau v.d. Leyen zu verschulden hat, welche zum Lohn und Dank nun das höchste Amt der EU bekleiden darf, obwohl sie dauernd ihre Handydaten verliert.

– Eine Flüchtlingskrise, die nie etwas anderes war als eine Krise und eine bleiben wird, dank der allumfänglichen Weisheit einer Kanzlerin, die mit Krisenmanagement nicht glänzen kann, dafür umso mehr mit einer narzisstischen Symptomatik

– eine für Europa beschämende Form der Altersarmut, die Rentner dahin siechen lässt, obwohl sie 40 Jahre lang gearbeitet und Steuern gezahlt haben.

– und eine Politik, die im Zeichen der Corona Krise zeigt, wie sehr sie unfähig ist, Krisen zu bewältigen und nun offenbaren muss, dass dieses Land sich nie auf rein gar nichts vorbereitet hat und vorbereiten wollte.

Ihnen bleibt es überlassen, ob sie die Liste weiter führen möchten, was nicht sonderlich schwierig sein dürfte. Sie können z.B. auf Ihren Lohnzettel schauen und dann daraus ableiten, dass auch Sie Bestandteil des Jobwunders – so der Jargon aus Berlin – sind, oder Bestandteil des größten Niedriglohnsektors innerhalb der EU – so der richtige Jargon -, weil Frau Merkel Ihr Geld gerne mal in Form von 1 Milliarde in Indien verschenkt für … wer weiß das schon und weiß sie es?

Diese Truppen, die mit Volldampf sehenden Auges dieses schöne Land vor die Wand fahren bzw. schon gefahren haben, verlangen nun den Aufstand der Anständigen. Da bekommt der Spruch „den Bock zum Gärtner machen“ eine ganz neue Qualität.

Und nur, weil die „BILD“ nun anfing, die ohnehin sich im Abschied befindliche Kanzlerin nun weg zu schreiben, bemüßigte sich diese in fassungsloser Hilflosigkeit bewegende Person, zu einer Pressekonferenz zu kommen, in der man vollmundig erklärte, man sei gut vorbereitet auf die derzeitige Corona-Krise.

Taggenau bekam ich von einer Altenpflegerin zugetragen, man habe im Pflegedienst keine Schutzhandschuhe mehr.

Wer bitte schön, ist hier nun Unanständig?

Im Angesicht vieler Todesfälle wäre ein Zyniker geneigt zu sagen, dass er dem Virus schon „dankbar“ sein könnte, wäre er nicht so folgenschwer, weil er nun dazu beiträgt auch den letzten Träumern in diesem Land zu zeigen, in welchem Zustand es sich befindet.

Ein Volk jedoch benimmt sich also – lieber Herr Bundespräsident – dann meist anständig, rechtstreu, diszipliniert und respektvoll, wenn es dies von der Obrigkeit vorgelebt bekommt!

Eine Umfrage unter eben diesem Volk, welches der genannten Attribute derzeit auf die Regierenden zutreffen könnte, dürfte erhellend wirken. Denn was Sie nicht selbst zu repräsentieren in der Lage sind, können Sie auch nicht von anderen verlangen.

Lieber Herr Bundespräsident. Ich weiß, man darf Sie ja kraft Ihres Amtes nicht beleidigen, aber Gott sei Dank sind die Gedanken ja frei.

Bevor Sie Ihre hohlen Phrasen wieder in den Äther pusten, sollten Sie sich ganz still in ein noch stilleres Eckchen setzen und darüber nachdenken, erst einmal Ihre Berliner Nachbarschaft aufzufordern mit gutem Vorsatz und guten Taten voran zu gehen. Dann klappt es auch wieder mit der Anständigkeit des Packs.

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